Der bevorstehende Halbschwergewichtskampf von Dmitry Bivol gegen den Deutschen Michael Eifert findet ohne den WBO-Titel statt. Der Verband hat offiziell entschieden, seinen Gürtel für dieses Duell nicht freizugeben.
Am 30. Mai trifft Dmitry Bivol in Jekaterinburg auf Michael Eifert, doch im Halbschwergewichtsduell stehen nur die Titel der WBA, IBF und von The Ring auf dem Spiel. Die WBO verweigert die Sanktionierung des Kampfes und verschärft damit die politische Dimension eines sportlich zunächst klar einzuordnenden Pflichtprogramms.
Über die Entscheidung berichtete zuerst der erfahrene Boxjournalist Mike Coppinger. Er veröffentlichte ein Schreiben von WBO-Präsident Gustavo Olivieri, in dem der Verband seine Haltung ausdrücklich mit seiner Position zum andauernden Krieg in der Ukraine verknüpft.
Damit ist dieser Abend mehr als eine gewöhnliche Titelverteidigung im Halbschwergewicht. Für Bivol bleibt die Aufgabe auf den ersten Blick dieselbe: einen ungeschlagenen Herausforderer auf hohem Niveau besiegen und seine Stellung an der Spitze der Gewichtsklasse sichern. Das Fehlen des WBO-Gürtels erschwert jedoch die ohnehin unübersichtliche Titelkonstellation in einer Division, die seit Längerem auf Klarheit wartet.
Sportlich geht Bivol als klarer Favorit in den Ring. Vor allem sein disziplinierter und technisch nahezu makelloser Sieg gegen Canelo Alvarez prägt bis heute sein internationales Renommee. Er gilt als Eliteboxer, konstant, schwer zu treffen und nur schwer zu schlagen. Gleichzeitig fehlt ihm weiterhin die Serie an großen Abenden, die ihn endgültig auch außerhalb der Fachwelt als Star verankert. Eifert bekommt nun die Chance, die Kräfteverhältnisse der Klasse durcheinanderzubringen, auch wenn diesmal nicht alle vier großen Gürtel zu holen sind.
Auch der Austragungsort spielt eine wichtige Rolle. Vor heimischem Publikum dürfte Bivol deutlich mehr Rückhalt haben, und ein Titelkampf in Russland erzeugt zwangsläufig eine andere Atmosphäre als große Veranstaltungen in Las Vegas oder New York. Genau dieser Kontrast und die Haltung der WBO sorgen dafür, dass nach diesem Kampf nicht nur über das Geschehen im Ring gesprochen werden wird.
Mit einem überzeugenden Sieg kann Bivol seinen Anspruch als führender Mann der Gewichtsklasse weiter festigen. Eifert wiederum kann sich mit einer Überraschung dauerhaft in die Titelgespräche drängen. Der Ausgang klärt zwar den Kampf, aber kaum die gesamte Lage im Halbschwergewicht.